Die Gefahr lauert hinter Schränken und Tapeten
So manche Traumwohnung entpuppt sich kurz nach dem Einzug als Schimmelpilz-Butze. Die schwarzen Flecken an den Wänden waren von den schweren Möbeln des Vormieters verdeckt, graue Ränder an den Fenstern hinter dichten Gardinen verschwunden.
© ddp"Bei der Besichtigung einer frisch renovierten Wohnung ist es für einen Laien schwer zu erkennen, ob die Wohnung schimmelbelastet ist oder nicht", sagt Zink. Sei man in einem unrenovierten Altbau von vornherein auf der Hut, täusche eine auf den ersten Blick gut aussehende Wohnung oft über den eigentlichen Zustand hinweg. Sein Tipp beim ersten Besuch einer neuen Wohnung: Immer der Nase nach. Modrig-muffiger Geruch sei ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ein mikrobiologisches Wachstum, sprich Schimmelpilzbefall, vorliege. Darüber hinaus sollten sämtliche Alarmglocken schrillen, wenn an den Wänden eindeutig schwarze oder graue Stellen zu sehen seien.
Um offensichtliche Zeichen nicht zu übersehen, sei es keineswegs indiskret, sondern einfach ratsam, sich auch die Ecken der Wohnung etwas genauer anzuschauen. Besonders jene Wände, die gleichzeitig Außenmauern sind. Selbst wenn man solche Stellen entdeckt, muss man nicht unbedingt auf die Wohnung verzichten. Zunächst gelte es zu klären, ob bauliche Mängel Grund für den Schimmelpilzbefall sind, oder schlicht ein schlechtes Heiz- und Lüftverfahren des Vormieters. Darum sollte man seine Beobachtungen als erstes mit dem Vermieter besprechen und womöglich auch andere Mieter auf das Problem ansprechen.
Bemerkt man den Schimmelpilz erst nach dem Einzug wird die Sache ein wenig schwieriger. "Die Frage ist immer, wer Schuld am Schimmelpilz ist", bringt Hermann-Josef Wüstefeld, Rechtsanwalt beim Deutschen Mieterbund, das Problem auf den Punkt. Relativ einfach sei die Sachlage, wenn man gerade erst eingezogen ist. Grund: "Innerhalb von kurzer Zeit wird sich in einer Wohnung kein Schimmelpilz bilden. Selbst wenn man verkehrt lüftet oder heizt", sagt der Experte. Demnach sei die Wahrscheinlichkeit baulicher Mängel oder ein falsches Heizverhalten des Vormieters sehr groß.
Da Schimmelpilz kein Schönheitsfehler, sondern eine Gesundheitsgefährdung ist, muss der Vermieter dagegen vorgehen. Handelt es sich um bauliche Mängel, die ausgebessert werden müssen, könne der Mieter eine Mietminderung vornehmen. "Bei größeren Sanierungsmaßnahmen, bei der weite Teile der Wohnung nicht genutzt werden können, muss der Vermieter sogar für Ersatz sorgen", sagt Wüstefeld. Sprich er muss Hotelübernachtungen zahlen oder eine Ersatzwohnung anbieten. Ist hingegen der Mieter durch falsches Verhalten Schuld am Schimmelpilz, trägt er die Kosten der Sanierung. Weil es sich um eine oft schwierige Beweislage handelt, rät Wüstefeld, sich auf jeden Fall an einen örtliche Mieterbund zu wenden. Die Experten unterstützen die Mieter bei der Vorgehensweise gegen Schimmelpilz und uneinsichtige Vermieter.
Um nicht selbst zum Verursacher von Schimmelpilz zu werden, sollte man sein Heiz- und Lüftverhalten überdenken. "Wichtig ist es, auf das richtige Raumklima zu achten", sagt Schimmelexperte Johannes Zink. Er empfiehlt seinen Kunden, die Hauptwohnräume auf mindestens 18 bis 20 Grad Celsius zu heizen. In Schlafräumen sei auch eine Temperatur um die 16 Grad erlaubt. "In einer Wohnung habe ich mal 12 Grad gemessen. Da kann man definitiv nicht mehr von einem vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung sprechen", sagt Zink. Genauso wichtig wie die Temperatur sei die Luftfeuchtigkeit. Sie liege beispielsweise in einem normalen Winter in der Wohnung so um die 50 Prozent und darunter. Da niemand in der Lage sei, die Luftfeuchtigkeit in seiner Wohnung zu schätzen, empfehle sich der Kauf eines handelsüblichen Hygrometers. Gute gebe es bereits für 20 bis 30 Euro.
Die Basis für ein gesundes Raumklima ist richtiges Lüften. Um die Luftfeuchtigkeit auf einem konstanten Level zu halten, bietet sich regelmäßiges Stoßlüften an. "Der wiederholte Luftaustausch reguliert die Luftfeuchtigkeit", sagt Zink. Wer glaubt, dass er bei Nieselregen oder Dauerregen lieber die Fenster geschlossen halten sollte, um sich keine feuchte Luft ins Haus zu holen, irrt. Kalte Luft mit einer Feuchtigkeit von 90 Prozent wird in einer warmen Wohnung schnell auf Normalmaß gebracht.
Wer die Angewohnheit hat, seine Wäsche in der Wohnung zu trocknen, sollte das Zimmer auf jeden Fall gut heizen. Zudem empfiehlt es sich, die Türen zu allen anderen Räumen zu schließen, damit sich die Luftfeuchtigkeit nicht in der ganzen Wohnung verteilt. Damit die überschüssige feuchte Luft entweichen kann, gilt auch hier: Immer wieder mal das Fenster aufmachen. Wer im Winter durch Heizen die Temperatur auf konstantem Level hält, gibt dem Schimmelpilz erst gar keine Chance aus einer Traumwohnung eine modrige Bude zu machen.
(ddp)